Geschichte
Hamburg · Seit 1814
1814
Sieben Generationen.
Eine Stadt. Eine Haltung.
Wie wird aus einer Mehlhandlung nach dem Ende der napoleonischen Besatzung ein kaiserlich-königlicher Hoflieferant — und 210 Jahre später eine der ältesten Feinkostmanufakturen Deutschlands?
Hamburg, 1814.
Acht Jahre Besatzung vorbei.
Seit 1806 hatten französische Truppen Hamburg besetzt. Der Handel mit Großbritannien war verboten — Hamburgs wichtigster Partner. Hunderte Firmen gingen bankrott. Im Winter 1813 wurden Teile der Bevölkerung bei Eiseskälte aus der Stadt getrieben, über tausend Menschen starben. Am 30. Mai 1814 zogen die Franzosen endlich ab. Am 1. Oktober 1814 gründete Christian Friedrich Michelsen eine Mehlhandlung. Kein Luxusprodukt — Mehl. Das Grundlegendste, was eine Stadt braucht, um wieder anzufangen. Aus diesem Anfang entstand L.W.C. Michelsen.
Niedergebrannt.
Neu gebaut. Besser.
79 Stunden wüteten die Flammen. Über 1.700 Häuser brannten nieder, 20.000 Menschen verloren ihr Zuhause. Das Michelsen-Geschäft brannte nieder. Hamburg wurde danach neu geplant — breitere Straßen, moderne Infrastruktur, ein anderes Stadtbild. Ludwig Wilhelm Christian Michelsen, Enkel des Gründers, baute das Haus bis 1848 an selber Stelle wieder auf. Unter seinem Namen wurde aus dem Lebensmittelhandel ein renommiertes Delikatessengeschäft. Die Initialen L.W.C. kommen von ihm — dem Mann, der Michelsen nach der Katastrophe neu erfunden hat. Im dritten Stock wohnten die Eigentümer selbst. Direkt über dem Kontor. Immer erreichbar. Immer im Dienst.
„Mit einer Gurke
hat alles begonnen."
Johannes Carl Peters, geboren 1866, kam aus Danzig, machte seine Lehre als Lebensmittelkaufmann und zog nach Hamburg — um Kompagnon von Wilhelm Christian Michelsen zu werden. Als Michelsen starb, kaufte Peters das Geschäft 1899 von dessen Tochter. Er war 32 Jahre alt. 10.000 Goldmark. Ein fremdes Geschäft in einer fremden Stadt. Was folgte, war kaufmännisches Genie: Eines Morgens auf dem Gemüsemarkt entdeckte er im Winter einen Händler mit frischen grünen Gurken. Eine Sensation zu dieser Zeit. Peters kaufte die gesamte Ernte auf — und rief noch am selben Morgen bei Rollenhagen in Berlin, Dallmayr in München und Böhm in Stuttgart an. Natürlich wollten sie. Michelsens Großhandel nahm einen schwungvollen Aufstieg.
Kaiserlich-Königlicher
Hoflieferant
Am 12. Januar 1912 unterzeichnete das Oberhofmarschall-Amt in Berlin die Ernennung: Johannes Peters, Inhaber der Firma L.W.C. Michelsen, Große Bleichen 10, Hamburg, erhält das Prädikat eines Königlichen Hoflieferanten. Nicht nur des Kaisers — auch die Könige von Sachsen und Württemberg sowie die Großherzöge von Baden und Mecklenburg verliehen Michelsen diesen Titel. Kaviar gehörte zu den besonders geschätzten Delikatessen — und der „Caviar Wodka" findet sich bis heute im Sortiment. Kein Marketingpreis, kein Wettbewerb. Mehrere Dekrete — ausgelöst durch die Qualität eines Hauses. Diese Auszeichnung macht uns auch heute noch stolz.
Kaufmann im
eigenen Haus.
1910 kaufte Johannes Peters das Geschäftshaus Große Bleichen 10 von der Familie Michelsen. Drei Jahre später steht der Titel über der Tür — für alle sichtbar. Michelsen hatte zwei Adressen — beide in der ersten Reihe der Hansestadt. Und einen Namen, der in Hamburg etwas bedeutete.
Alfred und
Johannes Peters
1927 übernahmen die Brüder Alfred und Johannes Peters gemeinsam die Leitung. Deutschland steckte in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. 1934 feierte Michelsen 120 Jahre — mit einem neuen Prachtgeschäft am Jungfernstieg, hochwertigst ausgestattet. Während andere zögerten, investierte Michelsen. Wer an das glaubt was er tut, wartet nicht auf bessere Zeiten.
Diese Jahre gehören zur Geschichte — ehrlich, ohne Beschönigung.
Die beiden Weltkriege waren das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Deutschland hat dieses Leid verursacht — und die Welt hat es bezahlt. Für Michelsen bedeutete das: eine Firma, die weiterexistiert, während außen alles zerfiel. Was das Haus in dieser Zeit wirklich durchgemacht hat, lässt sich heute nur ahnen. Es war kein Heldenstück. Es war das Bestehen durch Zeiten, die niemand hätte wählen wollen — und die uns bis heute daran erinnern, dass eine lange Geschichte auch Dunkelheit trägt.
Der Bombenhagel trifft beide Häuser.
Im Juli 1943 zerstörten alliierte Bombenangriffe weite Teile Hamburgs. Das Haus Jungfernstieg 41/42 fiel vollständig dem Feuer zum Opfer. Mitarbeiter kamen ums Leben. Das Haus Große Bleichen wurde ebenfalls getroffen. Diese Verluste gehören zur Geschichte von Michelsen — ehrlich und ohne Beschönigung.
Neustart. Glanzzeit.
High Society.
Nach dem Krieg kehrte Michelsen in die Großen Bleichen zurück. In den 1950er Jahren erlebte der Laden einen wahren Aufschwung — Stars wie Hildegard Knef, Curd Jürgens, Hans Albers, Heidi Kabel und Heinz Erhardt zählten zu den Stammkunden. Der Laden wurde zum Treffpunkt der Hamburger High Society. Michelsen war der Inbegriff hanseatischer Eleganz.
Tradition und
Innovation
1962 führte die neue Filiale in Hamburg-Othmarschen das damals revolutionäre Selbstbedienungskonzept ein. Für eine traditionsreiche Feinkostadresse war das ein mutiger Schritt — und ein richtiger. Michelsen zeigte, dass Anspruch und Modernität kein Widerspruch sind. Die eigenen Wurzeln blieben vollständig erhalten. Tradition muss sich nicht gegen Innovation behaupten. Sie kann sie tragen.
Heiko und Rainer Peters
übernehmen das Haus.
Johannes und Alfred Peters hatten das Haus durch Krieg und Wiederaufbau geführt — vierzig Jahre lang, durch die schlimmsten Zeiten. 1965 übergaben sie an die nächste Generation: Heiko und Rainer Peters. Rainer Peters brachte etwas mit, das sich nicht lernen lässt: ein Gespür dafür, was Menschen wollen — bevor sie es selbst wissen. Die Früchte in Alkohol, elegant abgefüllt. Der Rumkandis. Das Schnapsbaby. Dallas Oil, in dem Moment als Dallas ganz Deutschland in den Bann zog. Jedes Mal das richtige Produkt zur richtigen Zeit — und immer mit dem Qualitätsanspruch des Hauses dahinter. Viele dieser Produkte existieren bis heute.
Die Ära Rainer &
Heiko Peters.
Rainer Peters denkt Michelsen als Erlebnis — Grillbar und der Gourmet-Imbiss „TREFF"; Heiko Peters baut Vertrieb und Export aus. 1988 zieht die Firma nach Billbrook: Platz für Produktion, Lager und Büro — eine echte Manufaktur. Als am 21. Mai 1995 das Stammhaus Große Bleichen abbrennt, steht die Zukunft längst woanders. Der neue Hauptsitz entsteht in Hammerbrook — die Straße trägt fortan den Firmennamen: Michelsenweg. Aus der Asche wieder etwas Neues, wie so oft in diesem Haus.
Jan Erik und Malte Peters
treten ein.
2009 kommen Jan Erik und Malte Peters gemeinsam in das Unternehmen. Jan Erik Peters krempelt die Ärmel hoch: neue Prozesse, neue Maschinen, neues IT-System, Onlineshop, Bio- und FSSC-22000-Zertifizierung. Malte Peters verantwortet den Vertrieb. 2025 scheidet Malte Peters aus der Geschäftsführung aus.
Jan Erik Peters.
Das Haus neu aufgestellt.
Jan Erik Peters ist mit Michelsen aufgewachsen. Hat als Jugendlicher im Geschäft gearbeitet. Kennt das Haus von innen — die Produkte, die Menschen, die Abläufe. Seit 2025 führt er es allein. Um ihn herum: ein junges Team, das neue Prozesse mitdenkt und umsetzt. Das Ziel ist dasselbe wie 1814 — das Beste für Michelsen. Auch wenn sich die Zeiten ändern.
Wir freuen uns auf Sie.
Ob langjähriger Partner oder neues Gesicht — schön, dass Sie da sind.
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.
Mit genußvollen Grüßen aus dem Michelsenweg
Jan Erik Peters
Geschäftsführer
Familiengeführt in 7. Generation
L.W.C. Michelsen GmbH · Michelsenweg 1 · 20537 Hamburg